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Drei Wochen Malta: Der erste Erasmus+-Aufenthalt unseres Wirtschaftsgymnasiums
Veröffentlicht am in Kategorie Allgemein Wirtschaftsgymnasium
Im Rahmen des EU-Förderprogramms Erasmus+ verbrachten Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums 22 Tage auf der Mittelmeerinsel – mit rund 80.000 Euro Unterstützung aus Brüssel.
BAD SÄCKINGEN. Im Juli und August 2026 sind 15 Schüler:innen unseres Wirtschaftsgymnasiums zum ersten Mal im Rahmen von Erasmus+ für drei Wochen nach Malta gereist – für ein Praktikum, für die Sprache und, wie sich zeigen sollte, für eine ganze Menge Selbstständigkeit. Was von diesem ersten Durchgang bleibt, ist mehr als eine Ferienerinnerung: Es ist ein ziemlich ehrlicher Bericht darüber, wie man lernt, wenn nicht alles nach Plan läuft.
Drei Wochen Arbeitswelt
Die Praktika waren so unterschiedlich wie die Interessen der Gruppe: Immobilien, Tourismus und Marketing, Einzelhandel, Wellness. Tim Zwingenberger arbeitete bei einer Tourismus- und Marketingagentur mit Excel-Auswertungen, Gästeanalysen und Social-Media-Flyern und zieht ein klares Fazit: „Man sammelt Erfahrungen, die man im normalen Schulalltag so nicht machen würde, und kann sich dadurch sowohl persönlich als auch beruflich weiterentwickeln." Marcel Mansouri lernte bei einem Immobilienunternehmen, professionelle Telefonate auf Englisch zu führen und verstand durch die Praxis plötzlich besser, was im Wirtschaftsunterricht mit Angebot, Nachfrage und Marktpreisen gemeint ist. Yara Avul durfte bei einer Immobilienagentur in Sliema mitarbeiten und Immobilien listen; wie im echten Berufsleben lief nicht alles reibungslos – nicht jedes Praktikum hielt, was es versprach, und das gehörte für die Gruppe genauso zur Erfahrung wie die gelungenen Tage.
Ehrlich bleiben: Es war nicht immer einfach
Zu einem ehrlichen Rückblick gehört auch, die schwierigen Seiten zu benennen. Über die drei Wochen kam es mehrfach zu länger andauernden Stromausfällen in den Unterkünften – bei Temperaturen um die 40 Grad ohne Klimaanlage, mit verdorbenen Lebensmitteln und ohne WLAN keine Kleinigkeit. Auch das Busnetz auf Malta erwies sich als notorisch unzuverlässig, sodass die Gruppe öfter auf Uber und Bolt ausweichen musste. Und nicht jede Praktikumsstelle war von Anfang an gut auf die Schüler:innen vorbereitet – bei einigen dauerte es ein paar Tage, bis klar war, welche Aufgaben eigentlich anstanden.
Yara Avul bringt die Lehre daraus auf den Punkt: „Malta hat mir gezeigt, dass nicht jeder Mensch den Luxus hat, den wir in Deutschland gewohnt sind. Manchmal muss man Dinge einfach so nehmen, wie sie sind, weil sie 'beyond our control' sind." Und weiter: „Uns wurde klar, dass die Schule nur einen Teil der Persönlichkeit eines Menschen zeigt."
Zusammenhalt, der entstanden ist
Gerade in den schwierigen Nächten ohne Strom rückte die Gruppe zusammen: Matratzen wanderten von Apartment zu Apartment, es wurde gemeinsam gekocht, das WM-Finale wurde gemeinsam geschaut, Geburtstage wurden gemeinsam gefeiert. Marcel Mansouri beschreibt es so: „Besonders schön war, dass wir so viel miteinander erlebt haben und dadurch viele schöne Erinnerungen entstanden sind." Aus Klassenkamerad:innen, mit denen man vorher kaum gesprochen hatte, wurden in drei Wochen Freund:innen.
Ein Ausflug wird besonders in Erinnerung bleiben: der Fußweg zu einer versteckten Bucht, den die Gruppe in praller Mittagssonne einen steilen Berg hinauf- und wieder hinunterwandern musste. Am Ziel angekommen, war die Bucht so klar und schön, dass sich der Weg gelohnt hat – und zwei aus der Gruppe, Janis und Hussein, liefen barfuß zurück, um ein Boot zu organisieren, damit alle anderen den Tag mit einer Bootsfahrt ausklingen lassen konnten.
Was bleibt
Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Praktika zieht sich ein Thema durch fast jeden Bericht: gewonnene Selbstständigkeit. Kochen, Wäsche waschen, den Alltag organisieren, mit unerwarteten Problemen umgehen, ohne dass Eltern oder Lehrkräfte das abnehmen – für die meisten war das komplettes Neuland. Marcel Mansouri fasst zusammen: „Am Ende hat mir die Zeit aber gezeigt, dass ich selbstständiger bin, als ich vorher gedacht habe." Auch sprachlich hat sich einiges getan – nicht immer im Praktikum selbst, wie erhofft, aber im Alltag: beim Einkaufen, im Restaurant, im Kontakt mit Menschen aus aller Welt.
Neben der Arbeit blieb Zeit, die Insel zu entdecken: Valletta mit Feuerwerk, Konzert und Food-Festival, die türkisblaue Blue Lagoon, die verwinkelten Gassen von Mdina, ein Sonnenuntergang bei einer spontanen Bootsfahrt in Marsaxlokk.
Drei Wochen Malta waren für die erste Erasmus+-Gruppe unseres Wirtschaftsgymnasiums also beides: eine Reise mit echten Schwierigkeiten und eine Erfahrung, aus der alle mit mehr Selbstvertrauen zurückgekommen sind, als sie losgeflogen sind. Im September blicken die Teilnehmenden gemeinsam mit den beiden Kolleg:innen zurück, die die nächste Fahrt organisieren – mit allem, was diese erste Runde gezeigt hat.
Hintergrund: Erasmus+
Erasmus+ ist das Bildungs- und Jugendprogramm der Europäischen Union. Es fördert unter anderem Auslandspraktika an beruflichen Schulen – inklusive Reise, Unterkunft und organisiertem Praktikumsplatz. Für die erste Schülertranche der Rudolf-Eberle-Schule stellte die EU rund 80.000 Euro bereit. Das Programm wurde an der Schule durch Abteilungsleiter Magnus Sauerborn aufgebaut und koordiniert.